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Exkursion – Auf dem Weg zur alterns- und pflegegerechten Kommune am 09.12.2025 nach Wittenberge
Nach den Begrüßungsworten des Regionalreferenten Klaus Otto von der FAPIQ und von Lea-Sophie Krischowski von der Stadt Wittenberge, richtete sich der Blick auf die konkrete Praxis in Wittenberge. Cornelia Eichler-Körtge vom Volkssolidarität VB Prignitz-Ruppin e.V. stellte unter dem Titel „Alt werden in Wittenberge“ die vielfältigen Angebote vor. Sie gab dabei Einblicke in das lokale „Pflege vor Ort“-Projekt, „Engagiert in der Pflege, Demenz – verbunden bleiben“, die Lokale Allianz für Menschen mit Demenz sowie spezifische Initiativen wie das „Generationenübergreifende Schrauben“ und das Pflegenetzwerk Zukunft Prignitz.
Cornelia Eichler-Körtge zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig soziale Teilhabe gestaltet werden kann. Im Zentrum ihres Vortrags standen Projekte, die Begegnung auf Augenhöhe schaffen: Beim „Generationenübergreifenden Kochen“ übernahmen Kinder und Senioren gemeinsam Verantwortung, während das von FAPIQ geförderte Herzensprojekt „Generationenübergreifendes Schrauben“, vorgestellt von Jürgen Hannebauer von den Elblandschraubern, Jugendliche und Ältere über die gemeinsame Arbeit an Simsons zusammenbringt und so Erfahrungswissen sichert. Neben offenen Begegnungsformaten wie dem „Plauderfrühstück“ oder Bingo-Nachmittagen, die bewusst ohne Mitgliedszwang die Tür für alle öffnen, stellte sie auch innovative Ansätze vor: Das Projekt „Trittsicher in die Zukunft“ verbindet digitale Gesundheitsförderung via Tablet mit Bewegung im häuslichen Umfeld.
Einen weiteren Schwerpunkt legte sie auf die „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“, die seit Anfang 2024 durch eine Bundesförderung unterstützt wird. Herzstück dieses Netzwerks ist die neu eröffnete Kontakt- und Beratungsstelle direkt im Quartier. Sie fungiert als niedrigschwelliger Anlaufpunkt, der Betroffenen und Angehörigen kurze Wege bietet und so die Hemmschwelle zur Inanspruchnahme von Hilfe senkt.
Auch die baulichen Voraussetzungen für ein gutes Altern wurden thematisiert: Marcel Elverich von der Wohnungsgenossenschaft Elbstrom stellte praktische Lösungsansätze aus der Wohnungswirtschaft vor, um Bestandsbauten fit für die Zukunft zu machen. Dazu gehören der nachträgliche Einbau von Aufzügen, die direkt in die Wohnungen führen, sowie die Zusammenlegung kleiner Wohneinheiten. Durch das Entfernen von Wänden entstehen so großzügigere, barrierearme Grundrisse und Bäder, die Pflege im häuslichen Umfeld überhaupt erst möglich machen.
Fazit: Die Beispiele aus Wittenberge verdeutlichen, dass erfolgreiche Quartiersarbeit vor allem von starken Netzwerken und der Lust am Ausprobieren lebt. Es gelingt dort auf bemerkenswerte Weise, durch kreative und teils unkonventionelle Ansätze nicht nur der Einsamkeit im Alter vorzubeugen, sondern echte Verbindungen zwischen den Generationen zu schaffen, die beiden Seiten Freude bereiten.
Nach dieser Runde leitete ein von „Ackerbürgerin Mathilde“ geführter Stadtspaziergang zur Mittagspause über, die in „Marthas Tisch“ stattfand, ein konsumfreier Begegnungsort in Wittenberge, der allen die Türen öffnet, die Austausch, Gemeinschaft und eine warme Mahlzeit suchen. Annette Flade, Enkelin und Mitinitiatorin des Projekts, erzählte von der Idee und deren Wurzeln bei „Oma Martha“. Sie benannte Projekte wie den Kaffeeklatsch oder die Internetsprechstunde, denen dieser Ort Raum zur Entfaltung gibt. Gleichzeitig ist „Marthas Tisch“ ein Weltladen – nachhaltig und gemeinnützig. Hier bot sich im Rahmen eines Mittags aus persischen Suppen und Kuchen die Gelegenheit für Gespräche.
Der Nachmittag widmete sich dann auch den „Orten des Vertrauens“. Katja Javadi, gelernte Krankenschwester und Pflegedienstleiterin, bringt ihre fachliche Expertise als Pflegekoordinatorin der Stadt in die Arbeit ein. In der zentral gelegenen ehemaligen Sternbuchhandlung berät sie Bürgerinnen und Bürger niederschwellig zu Themen der Pflegeversicherung und lokalen Hilfsangeboten. Neben der individuellen Beratung gehören der Aufbau eines Pflegestammtischs, die „AG Hören & Reden“, sowie die Ausstellung „Pflege im Alltag“ PiA zu ihren Kernaufgaben. Darüber hinaus werden von ihr Projekte, wie ein Mittagstisch in Marthas Tisch und der lebendige Adventskalender organisiert.
Der Seniorenbeirat der Stadt Wittenberge, vertreten durch Marina Lenth, gab im Anschluss Einblicke in seine engagierte Arbeit als Interessenvertretung und Bindeglied zur Stadtverwaltung. Ein Schwerpunkt liegt auf regelmäßigen, kostenfreien Informationsveranstaltungen mit Gastreferenten, die mit 50 bis 70 Teilnehmenden regen Zuspruch finden. Die Themen reichen dabei von der Grundsteuerreform über Gesundheitsangebote bis hin zu Erster Hilfe. Darüber hinaus bringt der Beirat konkrete Bedarfe aus der Bürgerschaft direkt in die Verwaltung ein – beispielsweise den Wunsch nach mehr Sitzbänken an Bushaltestellen oder entlang langer Straßenabschnitte. Die Vertretung erlebt dabei eine hohe Wertschätzung seitens der Stadt, die diese Hinweise ernst nimmt und in ihre Planungen einbezieht.
Die Exkursion endete mit einem abschließenden Resümee vom stellv. FAPIQ-Projektleiter Hendrik Nolde. Darin wurde noch einmal deutlich, dass Förderprogramme wie „Pflege vor Ort“ wichtig sind, ihre volle Wirkung aber erst durch das Zusammenspiel mit starken lokalen Partnern entfalten. Er betonte die Hoffnung, dass sich diese Strukturen durch eine Verankerung im Landespflegegesetz künftig zu einer stabilen Säule der kommunalen Arbeit entwickeln. Dabei sei „Pflege vor Ort“ vor allem als Fundament zu verstehen: „Es ist eine Basis, auf der man weiter aufbauen kann, um auf dem Weg zur alterns- und pflegegerechten Kommune noch mehr zu erreichen.“ Hendrik Nolde hob besonders die Bedeutung der lokalen Identität und der Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure hervor – von der Stadt Wittenberge über die Wohnungsbaugesellschaft und Wohlfahrtsverband bis zum Ehrenamt. Wittenberge zeige beispielhaft, wie dies gelingen kann.