Nachlese

Unser Veranstaltungsrückblick

Fachkonferenz „Leben mit Demenz in der Kommune –Vernetztes Handeln vor Ort“, 31.01. und 01.02.2018 in Bremen

Fachkonferenz „Leben mit Demenz in der Kommune –Vernetztes Handeln vor Ort“ des Bundesmodellprogramm der Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am 31.01. und 01.02.2018 in Bremen

Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam mit Vertretern von Kommunen, Ländern, Verbänden und Organisationen, die Situation für an Demenz erkrankten Menschen auf regionaler Ebene zu beleuchten und Handlungsdefizite sowie gelingende Faktoren heraus zu arbeiten. Expertinnen und Experten gaben Impulse als Basis für Diskussionen . FAPIQ war anwesend und hat sich an den Gesprächen beteiligt. Die Ergebnisse der Konferenz werden mit Unterstützung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes in einer Handreichung zusammengefasst und veröffentlicht.

Erste Informationen finden Sie hier
Die Veranstaltung verdeutlichte, dass das Leben mit Demenz in der Kommune mehr in den Vordergrund gerückt werden muss. Aktuell leben 1,6 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland. Tendenz steigend. 2050 werden es drei Millionen Menschen sein. Pro Jahr kommen ca. 40.000 dazu. Das ist eine große Herausforderung für die gesamte Gesellschaft. Die Angst davor, an Demenz zu erkranken, ist ein stetiger Begleiter. Wir brauchen in unserer Gesellschaft eine aufgeschlossenere Haltung gegenüber Demenz. Wichtig ist vor allem, Menschen mit Demenz mit ihren Bedürfnissen und deren Fragen ernst zu nehmen, sie zu beteiligen, zu integrieren und auch deren Angehörige nicht aus dem Blick zu verlieren. Menschen mit Demenz möchten – wie die Mehrheit der Bevölkerung – möglichst lange selbständig in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben, etwas für andere tun und sicher leben. Dies wurde u.a. in einer Befragung im Rahmen des Projektes „Allein leben mit Demenz – Schulung in der Kommune“ der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft Selbsthilfe Demenz deutlich. Was aber heißt das für die Umgebung, die Bevölkerung, die Kommunen? Der Kommune kann eine koordinierende und steuernde Funktion zukommen, wenn es darum geht, Akteure und Bevölkerung zum Thema Demenz an einen Tisch zu holen. Die Kommune kann Vorbild sein bei der Beschäftigung mit dem Thema Demenz. Sie kann Räume schaffen für Begegnungen und Projekte, die sich um mehr Teilhabe und Sicherheit, eine bessere Versorgung und mehr Barrierefreiheit kümmern.

Die Region Hildesheim hat sich infolge der demografischen Entwicklung dieser Herausforderung gestellt. Gemeinsam mit vielen Akteuren versucht sie passende Antworten zu finden, die eine Gesellschaft des langen Lebens mit sich bringt. Um daran zu arbeiten, haben sich Stadt und Landkreis Hildesheim, die HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst), die Volkshochschule Hildesheim, das Mehrgenerationenhaus Hildesheim sowie die Alzheimergesellschaft e.V. Hildesheim zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen alle das Thema Demenz weiter enttabuisieren, es in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stellen. Das Netzwerk „Mit denken • Demenzfreundliche Region Hildesheim“ will die vielfältigen Hilfs- und Unterstützungsangebote transparent machen und weiter ausbauen. Das gemeinsame Ziel ist es, eine demenzfreundliche, d.h. eine menschenfreundliche und familienfreundliche Region Hildesheim zu gestalten. Mit vielen Veranstaltungen und Projekten ist das Netzwerk sehr aktiv und macht somit in der Region auf sich aufmerksam. Im aktuellen Projekt wurden persönliche Informationsmappen für Menschen mit Demenz an Hausärzte verteilt, die Informationen wie das Wissen um Beratungs- und Unterstützungsangebote an ihre Patienten weitergeben. Am 2. Tag wurde in fünf Foren mit verschiedenen Expertinnen und Experten zu folgenden Themen diskutiert:

Forum 1: Den Sozialraum für Menschen mit Demenz gestalten
• Axel Fuchs, Bürgermeister Stadt Jülich
• Gabriele Beck, Leitstelle für Ältere Stadt Ostfildern
• Peter Wißmann, Geschäftsführer Demenz Support Stuttgart

Die Stadt Jülich stellt sich den Herausforderungen des demografischen Wandels. Für den Bürgermeister ist die Förderung von jungen und alten Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen prioritär. Dazu gehören generationengerechte Wohngebiete wie Initiativen und Angebote, die dem Wunsch vieler Menschen, selbständig und selbstbestimmt bis ins hohe Alter zu leben und dabei im vertrauten Wohnumfeld zu verbleiben, nachkommen. Im Rahmen der Lokalen Allianz hat die Stadt Jülich gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern begonnen, sich zu einer demenzfreundlichen Stadt weiterzuentwickeln. Die Stadt moderiert den Vernetzungsprozess und initiiert weitere Projekte zur Unterstützung, Beratung und Entlastung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Gleichzeitig werden durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit die Bürgerinnen und Bürger zum Thema Demenz sensibilisiert. Die Förderung des zivilgesellschaftlichen Engagements hat dabei eine besondere Bedeutung. Darüber hinaus gibt es aktuell ein vom Land NRW gefördertes Projekt zum Thema Quartier: „Altengerechte Quartiersentwicklung Jülich-Nordviertel“. Die Stadt möchte das Leben für alle (älteren) Bürgerinnen und Bürger, egal ob mit oder ohne kognitive Beeinträchtigungen lebenswerter machen.
In Ostfildern gibt es eine Leitstelle für ältere Menschen, die für die Altenhilfeplanung der Stadt zuständig ist. Sie fördert die Vernetzung der Dienste und Einrichtungen der Altenhilfe, mit dem Ziel Versorgungslücken im Netzwerk der Hilfen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit allen Beteiligten neue, ergänzende Angebote zu entwickeln und aufzubauen. Die Leitstelle ist gemeinsam mit der Beratungsstelle für Ältere im Nachbarschaftshaus angesiedelt. Dieses Haus steht den Ostfilderner Bürgerinnen und Bürgern als Lebens-, Wohn- und Begegnungsort für Jung und Alt zur Verfügung. Es befinden sich dort u.a. ein offenes Atelier, wo Menschen ihre Kreativität ausleben können. Die Stadt Ostfildern hat 2007/ 2008 eine Demenzkampagne unter dem Motto „Wir sind Nachbarn“ gestartet. Dafür konnten viele Vereine und Initiativen gewonnen werden, um ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm – von Theater- und Filmabenden, Lesungen und Kunstausstellungen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen bis hin zu einer „Großen Gala“ – auf die Beine zu stellen. So konnte auf unkonventionelle Art und Weise die Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Demenz gefördert werden.

Demenz Support Stuttgart begleitet die Projekte des Bundesmodellprogramms Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz und wertet die Praxiserfahrungen aus. Dabei stellen sich u.a. Fragen, wie die Teilhabe von Menschen mit Demenz im Gemeinwesen, also u.a. im Dorf, im Stadtteil, im Verein gelingen kann. Wichtig ist die Beteiligung der älteren Menschen und auch der älteren Menschen mit kognitiven Einschränkungen in der Kommune. Alle Bürgerinnen und Bürger müssen zu Informationsveranstaltungen, Fragebogenaktionen, Stadteilbegehungen etc. eingeladen werden, um sich aktiv einzubringen. Menschen mit Demenz brauchen aber andere Formen der Ansprache und andere partizipative Methoden, um mit machen zu können. Um eine aufgeschlossenere Haltung gegenüber Demenz zu erreichen, braucht es zudem Begegnungsräume zwischen Menschen ohne und Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Es dürfen keine Parallelwelten entstehen. Menschen sollten sich im gesellschaftlichen Leben begegnen, um voneinander zu lernen. Kognitive Einschränkungen gehören dazu. Demenz sollte dabei in einem größeren Zusammenhang des Alterns gesehen werden.

Forum 2: Stadtplanung und Umweltgestaltung
• Martin Polenz, Stadt Arnsberg –Fachstelle Zukunft Alter
• Prof. Jochen Hanisch, Verein für angewandte Nachhaltigkeit
• Uwe Lübking, Beigeordneter Deutscher Städte-und Gemeindebund

Forum 3: Ländliche Räume
• Heribert Kleene, Bürgermeister Gemeinde Vrees
• Christian Thegelkamp, Bürgermeister Gemeinde Waseloh
• Dr. René Thyrian, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE) Greifswald

Forum 4: Vernetzung –Die Kommune und das Land als Drehscheibe
• Jürgen Müller, Landrat Landkreis Herford
• Stefan Kleinstück, Leiter Demenzservicezentrum Stadt Köln, Lokale Allianz pia causa
• Susanne Himbert, Projektleiterin DeKo -Demenz und Kommune Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg