Nachlese

Exkursion "Auf dem Weg zur alterns- und pflegegerechten Kommune" in Burg (Spreewald)

Ein gut gefüllter Raum, inspirierende Praxisbeispiele und ein lebendiger Austausch: Am 4. Juni 2026 lud die FAPIQ Akteurinnen und Akteure aus ganz Brandenburg nach Burg (Spreewald) ein. Im Mittelpunkt der Exkursion standen gelingende Vernetzungsstrukturen, innovative Mobilitätskonzepte und der direkte Blick in die Praxis der alterns- und pflegegerechten Quartiersentwicklung im Amt Burg und in der Gemeinde Kolkwitz.

Die hellen und großzügigen Räumlichkeiten des Hauses der Begegnung in Burg boten den perfekten Rahmen für die gut besuchte Veranstaltung. Christin Felix und Anke Jentzsch (FAPIQ) begrüßten die rund 28 Teilnehmenden sowie neun Projekt- und Kommunalbeteiligte. Ein besonderer Gruß galt Frau Kammermeier vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt (MASGZ) sowie den zahlreichen kommunalen Vertreterinnen und Vertretern aus der Region Südost (u.a. Spremberg, Welzow, Cottbus, Calau, Erkner) und weiteren Regionen Brandenburgs (wie Zossen und Am Mellensee).

In den anschließenden Grußworten von Manuela Kersten (stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Kolkwitz) und Jessica Urban (Amt Burg) wurde schnell deutlich: Die Gestaltung einer alternsgerechten Kommune ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die vor Ort mit viel Herzblut vorangetrieben wird.

Vernetzung als Arbeitserleichterung: Der Landkreis Spree-Neiße

Frau Zenker, Sozialberaterin des Pflegestützpunktes des Landkreises Spree-Neiße sprach zum Thema „Zusammenarbeit von Kommunen und Landkreis – gelingende Vernetzungsstrukturen“. Im Fokus stand das Erfolgsrezept des Landkreises: In jeder Kommune und auf Trägerebene gibt es feste Ansprechpersonen, welche sich regelmäßig in unterschiedlichen Vernetzungsstrukturen und Arbeitsgruppen zusammenfinden. Dieser enge Austausch in den Netzwerken wurde von den Teilnehmenden als enorme Arbeitserleichterung und Gewinn an Transparenz gelobt. Weitere Kernpunkte der Diskussion waren:

  • Fördermittel zur Ermöglichung von Begleitung: Das Förderprogramm „Pflege vor Ort“ wird als großer Gewinn wahrgenommen. Wünschenswert sei die Verstetigung, um die Konsistenz der Begleitstrukturen gewährleisten zu können.
  • Infrastruktur & Ressourcen: Das langfristige Ziel des Landkreises ist der flächendeckende Ausbau von Seniorenbegegnungsstätten. Um Ressourcen zu schonen, sollen Außensprechstunden vorzugsweise in bereits bestehenden, vielseitig genutzten Räumen stattfinden.
  • Beratung: Die Zusammenarbeit mit pflegeflankierenden Diensten ist unersetzlich, um Doppelstrukturen zu vermeiden.
  • Die Beratung wird durch die flächendeckende Initiierung von Außensprechstunden über den Pflegestützpunkt abgedeckt.
  • Herausforderung Grenzregion: Eine Besonderheit der täglichen Beratungspraxis stellt die Nähe zur polnischen Staats- und sächsischen Landesgrenze dar, wobei u.a. spezifische Landesregelungen beachtet werden müssen.

Praxisnahe Mobilität: Das Bürgerauto in Kolkwitz

Wie konkret und praxisnah Unterstützung aussehen kann, zeigten Cindy Brehmer, Verwaltungsmitarbeiterin der Gemeinde Kolkwitz (Sachgebiet Kita, Pflege- und Seniorenarbeit, Nachbarschaftshilfe) und Thomas Woitkewitz, Fahrer und Ansprechpartner für den Mobilitätsdienst in der Gemeinde Kolkwitz.

Thomas Woitkewitz schilderte eindrücklich seine tägliche Arbeit beim „Bürgerauto“. Dabei wurde deutlich: Ein solches Angebot steht und fällt mit der Persönlichkeitsstruktur des Fahrers. Vertrauen und Zuverlässigkeit sind die wichtigsten Währungen. Aber die logistische Herausforderung ist groß: Die Fahrten müssen oft drei Wochen im Voraus geplant und mit Arztterminen oder Angehörigen koordiniert werden, Fachärzte sind oft weit entfernt. Das Angebot wird gegen einen Eigenanteil der Fahrgäste realisiert, was die laufenden Kosten jedoch nicht komplett deckt.

Das Projekt „Bürgerauto“ stieß im Publikum auf großes Interesse und eine lebhafte Diskussion um den Einsatz des kommunalen E-Autos. Während der Verzicht auf Spritkosten ein klarer Vorteil ist, müssen im ländlichen Raum Faktoren wie Akkugröße, Reichweite und der hohe Stromverbrauch im Winter (Heizung, Licht) genau abgewogen werden.

Nachbarschaftshilfe in Kolkwitz

2020 wurde der Aufbau der Online-Nachbarschaftshilfe der Gemeinde Kolkwitz von FAPIQ gefördert. Dieses Projekt wurde ebenfalls von Cindy Brehmer vorgestellt: Wenn Einwohnerinnen und Einwohner in der Region Hilfe suchen oder anbieten möchten, können sie sich über ein Online-Formular registrieren und ihre Gesuche oder Angebote auf www.kolkwitz-hilft.de inserieren. Das Angebot richtet sich vor allem an ältere Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, alltägliche Tätigkeiten durchzuführen und so auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Durch die Plattform und der damit geschaffenen Struktur kann zugleich einem weitreichenden Personenkreis die Nachbarschaftshilfe nahegebracht und der Zugang zu Hilfsangeboten erleichtert werden.

Rundgang durch Burg

Jessica Urban (Amt Burg) stellte gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen des SOS-Kinderdorfs und des Diakonischen Werks Niederlausitz e.V. Anja Raschke, Kerstin Jaser, Sandy Stelter-Lehmann und Alexandra Hämel die lokalen Projekte von Pflege vor Ort vor: Die Träger bieten in ihren Räumlichkeiten unterschiedliche Angebote zur Begegnung und Beschäftigungen und unterstützen in der Häuslichkeit durch Angebote der Alltagsunterstützung (wie etwa Hilfe im Haushalt, beim Einkaufen oder beim Essen). Nach einem stärkenden Mittagsimbiss – ein großes Dankeschön geht hier an die Lebenshilfe für die Unterstützung – ging es am Nachmittag an die frische Luft. Beim anschließenden Rundgang durch den Ort konnten die Teilnehmenden die Hauptstandorte für Beratung, Begegnung und Alltagsunterstützung direkt besichtigen.

Die Erkenntnisse des Rundgangs:

  • Zentralität vs. Fläche: Die Standorte der Träger sind im Kern fußläufig und zentral erreichbar. Gleichzeitig fordert die enorme geografische Fläche des Amtes mit seinen vielen Ortsteilen die Akteure täglich heraus.
  • Sichtbarkeit durch neue Räume: Die Diakonie freut sich über neue Räumlichkeiten, die künftig als feste Seniorenbegegnungsstätte genutzt werden. Dies beendet provisorische Lösungen und stärkt die Sichtbarkeit der Öffentlichkeitsarbeit enorm.
  • Gelebte Kooperation: Die enge, koordinierte Zusammenarbeit zwischen Kommune und den freien Trägern wurde als beispielhaft und bereichernd wahrgenommen.

Ein charmantes Highlight: Während einer Pause an der Touristeninformation wurden die Gäste ganz traditionell mit Spreewaldgurken und frischem Wasser erfrischt.

Ausblick und Fazit

Zum Abschluss der Exkursion richtete Katharina Wiegmann (Projektleitung FAPIQ) den landespolitischen Blick auf die Entwicklung der Pflegepolitik in Brandenburg seit 2015 mit dem Fokus auf “Pflege vor Ort“. Bemerkenswert ist, dass das Land Brandenburg seit 2014 konsequent die Unterstützung der häuslichen Pflege ins Zentrum rückt und den Blick auf Maßnahmen im Umfeld der Pflege zur Unterstützung der Menschen mit Pflegebedarf und deren An- und Zugehörigen legt.

Mit einem herzlichen Dank und der Verabschiedung durch Christin Felix und Anke Jentzsch endete eine rundum gelungene Veranstaltung voller Impulse für die alterns- und pflegegerechte Quartiersarbeit.

Die Exkursion hat einmal mehr gezeigt: Der direkte Austausch zwischen den Kommunen, den pflegerischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren und der Blick über den Tellerrand sind der Treibstoff für eine gelingende pflegegerechte Quartiersentwicklung vor Ort.

Programm

Präsentation