Nachlese
Exkursion „Werkstatt Daseinsvorsorge – Auf dem Weg zur alterns- und pflegegerechten Kommune" in PotsdamWie gelingt ein gutes Älterwerden im Quartier? In der Werkstatt Daseinsvorsorge der FAPIQ am 29. April 2026 in Potsdam (Neu Fahrland) wurde deutlich: Es braucht den richtigen Mix aus professionellen Strukturen und zivilgesellschaftlichem Engagement.
Mit der Veranstaltung im Kirchbergtreff in Neu Fahrland erhielten geförderte Projekte der vergangenen Jahre die Gelegenheit, ihre Erfahrungen, Entwicklungen und Ansätze zu teilen. Neben den Kurzvorstellungen der geförderten Projekte des Jahres 2025 gab es praxisnahe Austauschrunden zu Themen wie Digitale Teilhabe, Beteiligung, Kooperationen im Quartier und Umgang mit Herausforderungen im Projektverlauf. Ziel war es, gemeinsame Erfahrungen zu bündeln und daraus ein praxisnahes Arbeitspapier für die Akteure zu entwickeln.
Brandenburg als Vorreiter: Vom Pflegemarkt zur kümmernden Gemeinschaft
Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein Rückblick auf die Entwicklung der Brandenburger Pflegelandschaft durch Norman Asmus, Juror des FAPIQ Förderaufrufs und Seniorenbeauftragter des Landes Brandenburg. Lange Zeit herrschte die Annahme vor, der Pflegemarkt allein könne die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft decken. Ein Trugschluss, wie die Praxis zeigte. Brandenburg hat hier frühzeitig umgesteuert und eine Vorreiterrolle eingenommen: Die Verantwortung wurde dorthin zurückgeholt, wo sie hingehört – in die Kommunen, direkt zu den Menschen. Dies gelang unter anderem mit dem Pakt für Pflege.
Dass dieser strategische Wechsel hin zu mehr kommunaler Gestaltungskraft richtig war, zeigt die enorme Resonanz. In fast allen Brandenburger Kommunen ist eine neue Dynamik entstanden, die hunderte kreative Ansätze hervorgebracht hat. „Das ‚Erfolgsgeheimnis‘ liegt dabei im Spielraum vor Ort: Nicht das Land gibt vor, was gut ist, sondern die Menschen in den Dörfern und Städten entwickeln ihre eigenen Lösungen für ein gutes Miteinander“, so Norman Asmus. Im Zentrum standen die neun Projekte, die im Rahmen der FAPIQ- Förderaufruf „Gemeinsam für mehr Lebensqualität“ im Alter unterstützt werden konnten.
Die wichtigste Botschaft für alle Projektmacherinnen: Die neue Landesregierung bekennt sich klar zur Fortführung dieser Strukturen. Die geplanten Verankerung im Landespflegegesetz schafft künftig die notwendige Planungssicherheit, um aus innovativen Ideen dauerhafte Ankerpunkte in der Gemeinschaft zu machen.
Der Jahrgang 2025: Ein bunter Blumenstrauß an guten Lösungen
Dass diese Theorie in Brandenburg bereits lebendige Praxis ist, bewies im Anschluss die Vorstellung der neuen Förderprojekte des Jahres 2025. Gemeinsam mit Norman Asmus, Juror des FAPIQ Förderaufrufs und Seniorenbeauftragter des Landes Brandenburg, wurden sieben Projekte vorgestellt und gewürdigt – vom Seniorendialog in Lübbenow (Uckermark) über den seniorenfreundlichen Service in Teltow (Potsdam-Mittelmark) bis hin zum Digitalisierungsprojekt „Digital real“ in Ahrendfelde (Barnim).
Auch der neue Jahrgang zeigt, dass Lebensqualität im Alter oft durch kreative, gemeinschaftsstiftende Ideen entsteht.
In den zwei thematischen Austauschrunden – angeleitet von Cathrin Trümper und Hendrik Nolde (FAPIQ) – ging es jeweils an zwei Tischen um digitale Teilhabe und Beteiligung sowie um Kooperationen und Herausforderungen. Die Gäste erhielten dabei wertvolle Einblicke in die Arbeit der anderen Projekte und nahmen viele Impulse für die eigenen Projekte mit. Die Ergebnisse aus den Austauschrunden werden nun aufbereitet und den Akteurinnen und Akteuren zur Verfügung gestellt.
Förderprojekte 2025:
Wir in Serwest, Landfrauenverein Serwest e.V., Chorin, Landkreis Barnim
Digital real für ältere Menschen, Gemeinde Ahrensfelde, Ahrensfelde, Landkreis Barnim
Generationen im Austausch – Büchertauschbörse in der Telefonzelle, Vereinsring Straupitz e.V., Straupitz, Landkreis Dahme-Spreewald
Klön-Pavillon, Dorf- und Feuerwehrverein Groß Radden e.V., Groß Radden, Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Lehn dich an 2.0!, Amt Brück, Landkreis Potsdam-Mittelmark
Barrierefreier und seniorenfreundlicher Service in Teltow, Seniorenbeirat der Stadt Teltow, Landkreis Potsdam-Mittelmark
Miteinander Reden – Seniorendialoge, Ländliche Arbeitsförderung Prenzlau e.V., Lübbenow, Landkreis Uckermark
Mittagstisch in Gesellschaft für Senioren, Diakonisches Werk Oderland-Spree e.V., Strausberg, Landkreis Märkisch-Oderland
Gemeinsam unterwegs, Soziale Stadt ProPotsdam gGmbH, Potsdam
Daseinsvorsorge als soziale Kunstfertigkeit
Vortrag von Prof. Dr. Thomas Klie, Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung

Ein besonderes Highlight zum Abschluss des Tages war der Impuls von Prof. Dr. Thomas Klie zum Thema „Die Kunst, bürgerschaftlich und gemeinwirtschaftlich Daseinsvorsorge zu gestalten“. Klie definierte Daseinsvorsorge dabei weit über die rein technische Infrastruktur hinaus. Für ihn ist die Gestaltung eines guten Lebens vor Ort eine Form von „sozialer Kunst“. Jede Gemeinde wird zum „Gesamtkunstwerk“, in dem ortsspezifische Unikate – ob Dorfladen, Mehrgenerationenhaus oder soziale Orte – durch Co-Kreation entstehen. Dieser Kunstbegriff betont die notwendige Kunstfertigkeit der Beteiligten, Rituale des Alltags und die soziale Ästhetik des Gemeinwohls miteinander zu verweben, um so Identität und Zusammenhalt zu stiften.
Die Werkstatt Daseinsvorsorge hat einmal mehr gezeigt: Diese kleinen Projekte sind weit mehr als Nettigkeiten im Alltag älterer Menschen. Sie organisieren das soziale Miteinander im Vorfeld von Pflege und helfen so, an anderer Stelle weitaus höhere Kosten zu vermeiden. Vor allem aber machen sie das aus, was für die Menschen in Brandenburg zählt: Lebensqualität und ein echtes Zuhause im Alter.
Zur Präsentation
Programm
- Programm der Exkursion
Die Förderprojekte 2025
Präsentation
- Die Kunst, bürgerschaftlich und gemeinwirtschaftlich Daseinsvorsorge zu gestalten, Vortrag von Prof. Dr. Thomas Klie