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Nachlese FAPIQ-Inforeihe: “Nicht das ICH, sondern das WIR – Wege aus der Einsamkeit”, 18.06.2025

Am 12. Juni 2025 fand die FAPIQ-Infoveranstaltung zum Thema Einsamkeit im Alter unter dem Titel „Nicht das ICH, sondern das WIR – Wege aus der Einsamkeit“ statt. Insgesamt nahmen 31 Personen an der Online-Veranstaltung teil. Ziel war es, Ursachen und Auswirkungen von Einsamkeit bei älteren Menschen zu beleuchten und praxisnahe Lösungsansätze aus dem Land Brandenburg vorzustellen.

Den Einstieg gestaltete Lea Möller, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. Sie präsentierte aktuelle Erkenntnisse aus dem Kompetenznetz Einsamkeit (KNE). (siehe Präsentation) Frau Möller definierte Einsamkeit als subjektiven Zustand, der entsteht, wenn die tatsächlichen sozialen Beziehungen nicht den gewünschten entsprechen. In ihrem Beitrag schilderte sie physische, psychische und gesellschaftliche Auswirkungen von Einsamkeit und arbeitete heraus, welche Personengruppen besonders von Einsamkeit betroffen sind. Frau Möller betonte, dass Einsamkeit oft mit Scham verbunden ist und daher selten offen thematisiert wird. Umso wichtiger seien niedrigschwellige, kostenlose Angebote, die soziale Teilhabe ermöglichen. Schutzfaktoren wie stabile Netzwerke, Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement können präventiv wirken. Zum Schluss ging Frau Möller auf die Angebotslandkarte des KNE ein, eine Plattform zur Sammlung und Sichtbarmachung solcher Initiativen. In der anschließenden Diskussion wurde besonders darauf hingewiesen, dass diese Landkarte von allen Akteuren und Interessierten genutzt und befüllt werden kann. Es wurde weiterhin betont, wie wichtig die Forschung zum Thema Einsamkeit ist. Forschungsbedarf wurde bei digitalen Angeboten zur Prävention gegen Einsamkeit gesehen. Die Verankerung des Themas im Koalitionsvertrag der Bundesregierung, die Erstellung und Umsetzung einer Einsamkeitsstrategie wurden in der Diskussion als wichtige Schritte gesehen.

Im zweiten Teil stellte Christiane Witt das Projekt „Mittendrin im Leben“ der GAG Klausdorf in Zossen vor. Sie ist Projektkoordinatorin im ESF Plus-Programm „Stärkung der Teilhabe älterer Menschen – gegen Einsamkeit und soziale Isolation“ (STäM) mit einer Laufzeit von fünf Jahren (2022 bis 2027). Ziel ist die Stärkung der Teilhabe älterer Menschen ab 60 Jahren und die Bekämpfung von Einsamkeit. In einem ersten Schritt wurden Bedarfe ermittelt und analysiert, was bereits alles vorhanden ist. Dabei wurde auch auf die Ortsteile geachtet. Frau Witt schilderte zentrale Herausforderungen wie Mobilitätseinschränkungen und Altersarmut. Das Projekt setzt auf lokale, angepasste Lösungen und Treffen in den Ortsteilen. Seniorenfrühstücke, Handarbeitsgruppen, Bewegungsangebote sowie Peer-to-Peer-Ansprechpersonen fördern Begegnung und Austausch. Als sinnvoll hat sich erwiesen, dass an bestehende Strukturen angedockt wird. Im weiteren Verlauf des Projekts soll die Vernetzung der Ortsteile mit der Kernstadt vorangetrieben werden, der Aufbau von Nachbarschaftshilfen erfolgen, die Verbesserung der Mobilität weitergedacht werden und der Abbau von Ängsten durch mehr Einzelfallberatung erfolgen. In der Diskussion wurde deutlich, dass der Vertrauensaufbau zu den Seniorinnen und Senioren zentral ist. Eine Herausforderung ist der Zuzug. Gelegenheiten, um ins Gespräch zu kommen, existieren hier weniger. Eine zentrale Frage ist auch hier die Erreichung der Zielgruppen. Um diese zu erreichen, liegen überall Flyer aus (auch in den Ortsteilen), Informationen werden auf der Internetseite der Stadt zugänglich gemacht, Informationen erfolgen auch monatlich im Stadtblatt. Und die Beauftragte für soziale Angelegenheiten weist auf Beratungsstrukturen hin. Weitere Informationen finden Sie in der Präsentation von Frau Witt.

Um die emotionale Dimension des Themas greifbar zu machen, wurde im dritten Teil die fiktive Geschichte von Frau Vera Fleischer erzählt. Die 92-jährige lebt allein in Fürstenwalde/Spree im Landkreis Oder-Spree im Osten Brandenburgs. Ihr Sohn ist weit entfernt und soziale Kontakte fehlen. Ihre Wünsche – nicht allein sein, reden, gemeinsam essen – verdeutlichen die Relevanz niedrigschwelliger Angebote. Zwei konkrete Projekte wurden vorgestellt: Die Plauderbank „Ich höre zu“ in Fürstenwalde bietet jeden Dienstag auf dem Marktplatz Raum für spontane Gespräche. Es geht darum ein gutes Gespräch zu führen und vielleicht einen Wechsel des Blickwinkels zu ermöglichen. Initiator Gert Becker von der EFG Fürstenwalde schafft durch Zuhören und Empathie Vertrauen. Vertrauensaufbau ist auch die größte Herausforderung. Es braucht Mut, Menschen anzusprechen. Der Marktplatz wurde bewusst gewählt, um in den Kontakt zu den Menschen zu kommen. Das Projekt zeigt, dass bereits einfache Maßnahmen Wirkung entfalten können.

Der Seniorenbesuchsdienst in Falkensee, organisiert vom Diakonieverein, vermittelt ehrenamtliche Besucherinnen und Besucher an einsame Seniorinnen und Senioren. Die Besuche sind kostenlos, konfessionsunabhängig und werden professionell begleitet. Helga Lümmen, Projektverantwortliche im Diakonieverein im Kirchenkreis Falkensee e.V. veranschaulichte die Aktivitäten wie Vorlesen, Spazierengehen, Spielen oder einfach nur Zuhören. Die gemeinsamen Aktivitäten sind, so Frau Lümmen, für beide Seiten ein Gewinn. Das seit 10 Jahren existierende Projekt konnte durch das kommunale Förderprogramm „Pflege vor Ort“ mittels Qualifikationen und einer koordinierenden Person verbessert werden. Eine kurze Zusammenfassung der Projekte finden Sie in der Präsentation von FAPIQ.

Abschließend wurde deutlich: Einsamkeit im Alter ist ein komplexes gesellschaftliches Problem, dem mit vielfältigen, wohnortnahen und persönlichen Angeboten begegnet werden kann. Entscheidend sind Orte der Begegnung, verlässliche Ansprechpersonen und eine gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

Präsentation Lea Möller, Kompetenznetzwerk Einsamkeit
Präsentation Christiane Witt, Mittendrin im Leben Zossen

Präsentation FAPIQ

Die Nachlese zu unserer letzten digitalen Infoveranstaltung „Brücken bauen und Türen öffnen – Erreichbarkeit von Angeboten für ältere Menschen“ am 07. Mai 2025 finden Sie hier